Bericht von Geraldine und Sven aus unserem Projekt in Addis

Unsere Traineezeit bei Sport — The Bridge neigt sich bereits dem Ende zu. Wir haben den Eindruck, dass wir erst gerade angekommen sind und begonnen haben, mit den Kindern zu arbeiten. Doch wenn wir dann am Morgen kommen und feststellen, dass Guta und Teshome fehlen und wir uns fragen, wo sie wohl sind und wie es ihnen geht, dann wird klar, dass wir schon länger hier sind, die Kinder kennen und sie uns ans Herz gewachsen sind. Wir wissen, wer verletzt ist, wer nicht gut gelaunt ist, wer nur die Hälfte isst und immer dünner wird, wer schon länger nicht mehr da war und wer am Gigathlon schnell gelaufen ist. Und von einigen kennen wir auch die Geschichte hinter den meist fröhlichen Gesichtern. Erfahrungen und Erlebnisse, die zum Teil so erschreckend sind, dass wir keine Vorstellung davon haben, wie man solche Dinge verarbeiten kann. In der Zeit, in der die Kinder in Sport — The Bridge sind, spielen, singen, tanzen, essen, lernen und lachen sie und ihre Welt scheint in Ordnung. Doch spätestens wenn wir einige von ihnen am Abend oder in der Nacht auf der Strasse sehen, wird klar, dass gar nichts in Ordnung ist.
Und dann plötzlich möchte ein Kind nach Hause, weg von der Strasse. Das ist gut, doch so einfach ist das nicht. Wo sind die Eltern oder Verwandten? Was war der Grund fürs Weglaufen? Diese Fragen und andere müssen zuerst geklärt werden. Erst danach können der Grossvater und der kleine Bruder eine 200 Kilometer lange Reise auf sich nehmen, um ihren Jungen in Sport — The Bridge zu treffen. Sie fallen sich in die Arme, der Grossvater schluchzt unter Tränen. Der Junge nimmt Abschied von den anderen Kindern und den Mitarbeitenden, der Grossvater bedankt sich bei allen und gemeinsam verlassen sie STB. Solche Szenen geben Mut für die Weiterarbeit und rühren zu Tränen. Es sind wichtige, erfolgreiche Momente, die alle in ihrer Arbeit bestätigen und motivieren.
Am nächsten Morgen steht ein Junge am Tor von STB, er kommt uns bekannt vor. Er wurde vor etwa 2 Monaten integriert, ebenfalls weit entfernt von Addis Abeba. Er hat den Weg zurück nach Addis gefunden, lebt wieder auf der Strasse. Auch das ein bewegender Moment, traurig, demotivierend. Solche Momente erleben die Mitarbeitenden auch viel und wir wissen mittlerweile, wie sie sich anfühlen. Wie so oft im Leben liegen Leid und Glück nahe zusammen. Beides durften wir in dieser Zeit miterleben und sind dankbar dafür und gerührt. Die Arbeit, die STB leistet, ist essentiell und wertvoll, weiter so!

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